Blue Flower

Am 24. April 2019 findet der 22. Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day statt.

 

Es gibt ein neues Projet: http://ruhezone.org/, das seit 11.02.19 online ist. Auf der Seite sollen künftig bundesweit Läden und Betriebe gelistet werden, die in ihren Geschäfts- oder Gasträumen keine Hintergrundmusik spielen. Der Impuls kam aus einem persönlichen Anliegen heraus, das Marion Swiergot aus Bielefeld mit Ihnen und vielen anderen Betroffenen teilt. Sie sagt:"Der Grundgedanke meiner Website ist, Menschen, die gerade in der Stadt unterwegs sind, via Google Map die Möglichkeit zu bieten, das nächstgelegene Café, Lokal usw. zu finden, das auf Musik verzichtet."

 

 "Klassik light ist das Schlimmste"

Das gerade eröffnete Klavierfestival Ruhr ehrt die Pianistin Elena Bashkirova

Ein Gespräch über Zwangsbeschallung, guten Klang und miesen Rap

"Man wünscht sich ausgeruhte Ohren."

Elena Bashkirova beklagt die Dauerbeschallung mit "Klassik light"

Frau Bashkirova, Sie waren so freundlich, mir Ihre Handynummer zu geben. Darf ich fragen, was Ihr Klingelton ist?

Bashkirova: Nur ein ganz klassisches "Rrrring". Ich kann es nicht ausstehen, wenn aus den Handys klassische Melodien schallen. Leider passiert das sogar im eigenen Konzert (lacht). Es ist schlimm.

Ja, es ist schwierig geworden, der Dauer-Beschallung zu entkommen.

Und ob! Man zwingt uns pausenlos, irgendwelches Zeug zu hören, von der Boutique über den Fahrstuhl bis zur Flughafen-Toilette. Entschuldigen Sie, aber es ist eine Vergewaltigung für die Ohren der Menschen. Vor allem werden die Ohren sehr müde davon ...

Da hilft es Ihnen auch nicht, wenn es sich um Klassik handelt?

Im Gegenteil, diese "Klassik light" ist für mich das Schlimmste. Und man entkommt dem nicht. Gerade als Musiker ist es mir unmöglich, wegzuhören. Leider.

(aus: NRZ Freitag, 20. April 2018) -> den ganzen Artikel lesen

 

 

"Last Christmas" sorgt für Einkaufsfrust: Zwei Drittel der Deutschen können beim Shopping gut auf weihnachtliche Musik verzichten

Dass Musik im Supermarkt oder Kaufhaus für Einkaufsfrust statt Einkaufslust sorgt, ist allerdings kein Phänomen der Adventszeit. Rund jeder zweite Studienteilnehmer findet, dass ihm auch außerhalb der Weihnachtszeit die Musik in vielen Geschäften zu laut ist. -> den ganzen Artikel lesen

 

"Ich lasse mich nicht berieseln." Thomas Hengelbrock sucht Regeneration lieber in der Stille. Die Allgegenwart der musikalischen Berieselung nervt ihn auch. Auf die Frage, ob er ab und zu der Gesellschaft den Stecker ziehen möchte, antwortete er in einem in der NRZ vom 01.12.2017 wiedergegebenen Interview: "Ich tu's einfach persönlich. Wenn in einem Hotel der Frühstücksraum bedudelt wird, nehme ich meinen Teller mit aufs Zimmer. In Restaurants mit Musik halte ich's nicht aus. Ich schaue nicht fern, lasse mich nicht berieseln. Wissen Sie, wenn Sie Ihre Inspiration aus dem Inneren schöpfen, dann müssen Sie sie auch schützen vor dem Ansturm des Äußeren. Ich lebe nicht wie ein Mönch, aber ab und zu entziehe ich mich dieser Welt einfach."

 

 

Die Musikindustrie

Die Dudelmusik kommt aus dem Lautsprecher. Das sind wir leider gewohnt. Aber wie kommt sie dort hinein?

Eine Antwort gibt der Artikel „Die Hitmaschine“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 29.12.2018. Dort wird über die „Musikindustrie“ berichtet. Woher bekommt sie ihre Stars? Ein start-up-Unternehmen „Instrumental“ „versucht, potentielle Stars und ihre Musik durch die computergestützte Auswertung von Daten zu finden. Clever programmierte Computer-Algorithmen und künstliche Intelligenz sollen Prognosen liefern, was demnächst einem Massenpublikum gefallen könnte. Das Unternehmen will eine Art Hitmaschine bauen“. Diese „Musik-Streamingdienste“… haben der Branche den größten Wachstumsschub seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschert.“ Streaming-Weltmarktführer ist Spotify, es hat 190 Millionen aktive Nutzer und hält rund 40 Millionen Musikstücke verfügbar. „Die Streamingplattformen bombardieren ihre Nutzer ständig mit Musikempfehlungen, damit diese mehr Musik hören. Diese Tipps werden ebenfalls von Algorithmen generiert… Die Hitmaschine produziert nicht nur das Musikangebot. Sie schafft auch ihre eigene Nachfrage.“ Soweit der völlig unkritische FAZ-Artikel.

Wir werden also im öffentlichen Raum gezwungen zu hören, was die Musikindustrie mit ihren Computer-Algorithmen vorgibt. Jede Spur von Geschmack, Musikalität und Genuss ist getilgt. Die Sache geht aber noch weiter. Die Computer erzeugen auch Musik. Sie ist als „industrial music“ bei einem Teil des Millionenpublikums beliebt. Die Elektronik besiegt die Ästhetik. Ein Grund mehr sich zu wehren.


Dieter Maier (stellvertretender Vorsitzender)

 

Ferngesteuert im Klangraum

Die Geräuschbeschallung bekommt eine neue Qualität. In Städten sollen Geräusche und Klänge Menschenströme leiten, vor Gefahren warnen und zum Kauf animieren. Das Konzept der "Geräuschlogos" entstand in der Automobilindustrie, die mit Corporate-Sound-Konzepten arbeitet.

Die Pariser Verkehrsbetriebe wollen "die Verkehrsströme steuern, indem man dem Gehör der Fahrgäste schmeichelt". Grillengezirpe von unten warnt vor Stufen. Unter Pariser Parkbänken sind kleine Lautsprecher angebracht, aus denen "in verschiedenen Sprachen geflüsterte Liebesbotschaften dringen". VW ließ in einem Stockholmer U-Bahnaufgang die Treppen beim Betreten einzelner Stufen erklingen (Piano-Treppe), damit die Passanten die energiezehrenden Rolltreppen meiden sollten... und als nächstes VWs kaufen. In den USA und Großbritannien laufen in McDonaldsfilialen die neuesten Hits, während vor der Tür künstliche Moskitogeräusche ertönen: nicht vor der Tür rumlungern, sondern reinkommen und konsumieren, ist die Botschaft. (Der Sound der Städte: Akustikdesigner erfinden Geräusche für den öffentlichen Raum. Juliette Volcier in: Le monde diplomatique, dt. Ausgabe, Oktober 2013.)

Gegen solche Techniken kommt man mit dem Argument der Lärmbelästigung nicht an. Im Gegenteil: ein niedriger Geräuschpegel ist Voraussetzung für das Konzept. Dennoch könnte die akustische Usurpation des öffentlichen Raums zum Horror werden. Gegen die schwer identifizierbare und auf das Unbewusste zielende Berieselung kann man sich weniger wehren als gegen das herkömmliche Gedröhne. Wenn diese Art der Geräuschbeschallung zusammen mit der allgegenwärtigen optischen Beeinflussung sich im öffentlichen Raum durchsetzt, gehen weitere Rückzugsorte verloren. Selbst im Park.

Dieter Maier (stellvertretender Vorsitzender)

 

Verein "Hörstadt" (Österreich)

In Österreich hat sich der Verein "Hörstadt" in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2013 um den Lärmpegel in Wiener Geschäften gekümmert. Wie die "Tageszeitung" (14./15. Dezember 2013) berichtet, organisiert der Verein die Kampagne "Beschallungsfrei" und vergibt jährlich einen Preis für die "übelsten Zwangsbeschaller des Jahres". Auch in anderen Städten Österreichs beobachteten Vereinsaktivisten mit Messgeräten das Weihnachtsgeschäft 2013.

Kontakt:
Hörstadt - Verein für Akustik, Raum und Gesellschaft
Niedermayrweg 7
4040 Linz
Österreich
Tel. +43 (0)732/78 13 24 30
office(at)hoerstadt.at

 

Lärm am Arbeitsplatz - Beispiel Amazon

Zitat einer Arbeiterin eines der Verteilzentren von Amazon (ohne Angabe des Ortes):

"Im vierten Quartal spielen die Chefs in Endlosschleife laute Musik in der Halle, um uns anzuspornen... Einmal haben sie uns während der Feiertage mit Hardrock zugedröhnt, damit wir schneller arbeiten. Es war so laut, dass ich Kopfschmerzen bekam, mein Herz raste. Als ich den Chef bat, leiser zu stellen, hat er mich ausgelacht, weil ich über fünfzig bin, und hat mir erklärt, das sei ein Unternehmen für junge Leute"

(aus: Die Versandfabrik - im Inneren von Amazon. Le monde diplomatique, dt. Ausgabe, November 2013). Der Artikel berichtet über die Arbeitsbedingungen bei Amazon, zu denen hoher Leistungsdruck, Zeitverträge und das Verbot gewerkschaftlicher Betätigung gehören.

 

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